
Fühle mich etwas krank und ausgelaugt. Die Stirn ist heiß, die Augen tun weh, und es kommt mir so vor als würden sie heute schlechter als gewöhnlich sehen. Macht aber nichts, denn es gibt eh nicht viel zu sehen, außer dass gelegentlich mal wieder Schnee vom Himmel fällt.
Ich sollte es mir gar nicht erst vornehmen, am Wochenende etwas zu arbeiten, denn ich glaub darin liegt das Übel dieser “Samstagskrankheit”. Ein selbstauferlegter Druck, an diesen beiden “freien” Tagen etwas schaffen zu wollen, zu müssen. Nein, das ist nicht gut, davon muss ich wegkommen.

Ein Anhängsel aus der alten analogen Welt habe ich mir bewahrt und es ist mir lieb wie eh und je, nämlich die Lektüre einer Tageszeitung. Und das, obwohl ich meist erst abends dazu komme sie zu lesen. Da kann kein online Medium mithalten.

Vermutlich ist die oben abgelichtete Buchhandlung weder die schönste noch die beste der Stadt, dennoch kaufe den Großteil meiner Bücher da und bin deshaöb sehr oft dort. Wie zum Beispiel heute oder auch morgen. Morgen muss ich - welch Schande - endlich “Die Vermessung der Welt” kaufen. Bislang hab ich das Buch aus dem Grund nicht gelesen, weil ich den Kehlmann für einen Schnösel hielt, für einen Unsympathen. Seit zwei Tagen ist das anders, denn ich hab ihn auf arte, zusammen mit Hader durchs nächtliche Wien ziehen sehen. Und seitdem frage ich mich, wie konnte es nur zu dieser grandiosen Fehleinschätzung kommen?

Diese Anemone - sofern es denn überhaupt eine ist - die hab ich nicht heute fotografiert. Sie fiel mir gerade beim Sichten meiner Fotos vom verlängerten “England-Wochenende” ins Auge. So war das am Samstag morgen nördlich von London, und so hätte ich es gerne auch hier, und zwar bald, wenn ich mir denn was wünschen dürfte.
Dazu muss ich sagen, dass mich der Winter an und für sich gar nicht stört, aber, dieses massive Schneevorkommen ist extremst inkompatibel mit meinem derzeitigen Faible für schwarze Schuhe. Diese schauen nämlich einfach scheiße aus, wenn da immer weiße Salzkrusten drankleben, sobald man auch nur ein paar Schritte draussen war. Ich bin und bleibe halt ein leidlich fauler Schuhputzer …

Nein, das hätte ich nicht erwartet. Schön ja, meinetwegen, aber eigentlich bin ich nicht der Mensch für die großen Städte, doch London … verdammt, warum war ich da eigentlich nicht früher da? Ob das an den elendsblöden Englischbüchern lag, die mir zu Schulzeiten Great Britain im allgemeinen und London im speziellen unsympathisch erscheinen haben lassen. Die Sprache war es jedenfalls nicht, sonst hätte ich ja nicht schon auf mehreren Etappen fast die komplette Ostküste der USA abgeklappert.
Egal, mein Kurztrip verlangt die Rangfolge meiner Lieblingsstädte neu überdenken und der englischen Hauptstadt einen Platz ziemlich weit vorne einzuräumen. Ich muss da unbedingt nochmal und dann aber für ein bisschen länger hin, wenn es weniger windig und weniger kalt ist. Mal sehen, wann kann ich mir wieder mal frei nehmen? Ende August vielleicht …

Nicht mal die Lösungen mit denen ich so arbeite (arbeiten lasse) sind bunt dieser Tage. Aber was soll’s, morgen Nachmittag breche ich mal für ein paar Tage aus, aus der Arbeitswelt und gucke ob die Busse und Telefonhäuschen (sofern es solche überhaupt noch gibt) in London repektive England noch rot sind.
Sollte die dortige Zivilisation kostenfreien Internetzugang für mich bereitstellen werde ich hier natürlich - reich bebildert - berichten. Wenn nicht, dann gibt es spätestens ab Dienstag wieder neues.
Freund der ausgeprägten Jahreszeiten

Ich fände es ja gut, wenn die Straßen nie geräumt werden würden. Allein wegen dem Gedanken, mal Tempo rauszunehmen und festzustellen, so geht es auch. Und, um einen halben Tag allen einfallslosen Menschen die Gelegenheit zu geben, einem zu fragen: wie bist du heute her gekommen, war ja schlimm auf der Straße, nichts geräumt …
Auf morgen freue mich auch schon. Soll ja die kälteste Nacht hier werden. Ganz dunkelblau hinterlegt, minus 24 °C orakelte die Wetterkarte des ZDFs. Da gehe ich jede Wette ein, dass ich bis halb neun mindestens einmal hören darf: Das hätte es jetzt auch nicht mehr gebraucht, so ein langer Winter.

Nur noch 39 Kaffeepads im Haus. Jetzt wird es wirklich Zeit zu überlegen, bestelle ich erneut eine große Lieferung meiner Lieblingspads, oder - und zugegeben, mit dem Gedanken spiele ich ja schon lange - gönne ich mir gleich ein neues Kaffee-Erlebnis?
Am Arbeitsplatz trinke ich hin und wieder ein coffeinhaltiges Heißgetränk, zubereitet mit einer aus der Werbung höchst bekannten Maschine, der man das Kaffeepulver in Aluminiumkapseln zuführt. Die schlägt geschmacklich die Senseo die ich zu Hause und bei mir im Büro habe um Längen.
Der Espresso allerdings, den mir mein Chef immer kredenzt, der stellt alle selbstgemachten Kaffees weit in den Schatten. Dort werden ganze Bohnen verarbeitet, das ist also noch ne Spur edler. Wenn dieses Maschinchen auch noch Milch aufschäumen könnte, und sich bequem reinigen ließe, ja dann wäre es perfekt. Sowas soll es aber geben.
Also was mache ich: Warten bis ich wieder mehr zum Heimarbeiter werde und mich dann mit so einer Deluxe-Maschine belohnen, oder meinen Nebenverdienst einfach mal vorab hier investieren (da stünden ja schon mal 350 Euro in 2010 zu Buche)? Oder tut es für die nächsten zwei, drei Jahre so ein Kapselaufbrüher? Klingt etwas verschwenderisch für so eine kurze Zeit. Oder einfach nur wieder neue Pads bestellen … zur Not muss ich die halt im Büro versaufen.

Ich glaube ich täusche mich da keineswegs, wenn ich behaupte, dass es hier in diesem Jahr erst einen einzigen Nachmittag lang möglich war, blauen Himmel zu sehen. Ansonsten, eine gefühlte Ewigkeit lang Hochnebel. Dabei mag ich den Nebel, aber eben den, der dicht über der Donau wabert, der sich in die Gassen legt, der alles nur schemenhaft hinter Milchglas legt. Die Art von Nebel welcher die Augen trübt und das Gehör schärft. Nur leider sind diese Nebeltage selten geworden und so plage ich mich mit Hochnebel. Diffuses Licht ohne Schatten ohne Konturen. Tristes Grau von allen Seiten. Und keine Besserung in Sicht. Nicht mal bei meiner Landflucht am Donnerstag rechne ich mir die Chance auf Sonne aus, selbst wenn ich mich dabei kurzzeitig über den Wolken befinden werde, denn da dürfte es schon dunkel sein. Vielleicht also beim Rückflug am Montag, sofern ich einen Fensterplatz bekomme.